Die Anhalt-Wittenberg-Tour  
Herzstück der Radwanderregion Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg

Als Bestandteil unseres Wegenetzes führt die Anhalt-Wittenberg-Tour entlang von Elbe, Mulde und Saale sowie der Schwarzen Elster, überwiegend auf den überregionalen Radwegen Elberadweg, Muldental- und Saale-Radwanderweg. Die Region Anhalt-Wittenberg wurzelt auf jahrhundertealten kulturellen Traditionen, war anhaltisches und kursächsisches, ab 1815 auch preußisches Herrschaftsgebiet, ist Schaubild des Wandels einer Landschaft im Rahmen der industriellen Entwicklung und umfasst eine vielgestaltige, vom Menschen beeinflusste und doch naturnahe Landschaft. Die damit einhergehende Vielfalt an zum Teil einmaligen Sehenswürdigkeiten eröffnet sich dem Fahrradtouristen auf diesem 350 km langen Rundkurs. 
 
 Mit den in der Historie Anhalts wichtigen Residenzstädten Bernburg, Dessau, Köthen und Zerbst, einst Herrschaftsgebiet derer zu Anhalt, die mit dem kleinsten aber zugleich progressivsten Fürstentum Deutschlands über Jahrhunderte hinweg Geschichte schrieben, der Lutherstadt Wittenberg als Wiege der Reformation und dem Chemiestandort Bitterfeld werden auf der Tour alle wesentlichen regionalen Zentren miteinander verbunden. Mit den Flussauen von Elbe, Mulde, Saale und Schwarzer Elster, dem Biosphärenreservat Flusslandschaft Mittlere Elbe, den Naturparken Dübener Heide, Fläming und Unteres Saaletal bis zum nördlichsten Weinbaugebiet Deutschlands Jessen an der Elbe wird eine Vielfalt von unterschiedlichen Naturräumen erlebbar.

Schloss MosigkauKernstück der Anhalt-Wittenberg-Tour ist die Gartenreichtour Fürst Franz. In Form eines Schmetterlings durchradelt man die Breiten und folgt dabei vor allem den Spuren des weltberühmten Aufklärers. Der Weg verbindet die Park- und Schlossanlagen des Gartenreichs Dessau-Wörlitz, das 2000 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurde. Neben den Dessauer Schloss- und Parkanlagen Mosigkau, Georgium, Luisium und dem Landschaftsgarten Großkühnau sowie dem Schloss und Park Oranienbaum sind die Wörlitzer Anlagen hervorzuheben. Einen umfassenden Einblick in die Facetten der Kultur und Historie der Region präsentiert die Ausstellung „Gemeinsam sind wir Anhalt“, die im Dessauer Johannbau gezeigt wird, dem einzigen erhaltenen Teil des Stadtschlosses. Noch in Dessau sollte man auch am Kornhaus Station machen. Das prachtvoll an der Elbe  liegende Ausflugslokal wurde vom Bauhäusler Carl Fieger entworfen. 
 Stadtkirche Lutherstadt Wittenberg
Von den Wörlitzer Anlagen aus führt die Anhalt-Wittenberg-Tour über den Elberadweg zur Lutherstadt Wittenberg. Nach der Querung der Elbe mittels einer Gierfähre bei Coswig hat man einen wunderschönen Blick auf das 1555 erbaute Schloss Coswig. In Coswig bietet sich ein Besuch der Stadtkirche St. Nikolai an. Wittenberg ist untrennbar mit dem Namen Martin Luther verbunden. Heute gehören die Lutherhalle, das Melanchthonhaus sowie Schloss- und Stadtkirche zum Welterbe der UNESCO und stehen dem Besucher offen. Von der Lutherstadt aus nimmt die Anhalt-Wittenberg-Tour die Route des Elberadweges bis südlich der Stadt Elster, wo sie im Naturschutzgebiet Untere Schwarze Elster in das Tal der Schwarzen Elster abbiegt.
 

Dem Elsterwanderweg folgend kommt man nach kurzer Zeit in die Jessen-Schweinitzer Berge, dem nördlichsten Ausläufer der Weinbauregion Sachsen. Weiter die Elster aufwärts biegt die Tour durch die ausgedehnten Waldgebiete der Annaburger Heide bei Löben in Richtung Annaburg ab. Auch Annaburg ist mehr als eine kurze Rast wert. Mit Schloss, historischem Marktplatz und Porzellan-Manufaktur gibt es viel Interessantes zu bestaunen. Von Annaburg aus führt die Tour weiter durch die gleichnamige Heide und biegt dann in Richtung Westen nach Prettin ab. Gleich am Ortseingang beeindruckt den Wanderer die Lichtenburg, eine Schlossanlage aus dem 16. Jahrhundert.
 
Mulde-Auenweg/ Dübener HeideZwischen dem sachsen-anhaltischen Prettin und dem sächsischen Dommitzsch hilft eine Gierfähre erneut beim Überqueren der Elbe. Von Dommitzsch aus verläuft die Tour parallel zum Elberadweg nach Pretzsch, wo der zum renovierten Renaissance-Schloss gehörende Landschaftspark mit seinen barocken Gestaltungselementen zum Verweilen einlädt. In Pretzsch verlassen wir wieder den Elberadweg. Die Tour führt nun in den Naturpark Dübener Heide zur Kurstadt Bad Schmiedeberg. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen das Renaissance-Rathaus, die spätgotische Hallenkirche mit dem weithin sichtbaren 60 Meter hohen Turm, das Au-Tor und das im Jugendstil errichtete Kurhaus mit Park. Zwischen Bad Schmiedeberg und Bad Düben führt die Tour durch große zusammenhängende Waldgebiete der Dübener Heide. Kiefernwälder, unberührte Moore und eine abwechslungsreiche Heidelandschaft prägen auf kleinem Raum das Landschaftsbild.
 
Im sächsischen Bad Düben lädt der historische Stadtkern mit seiner tausendjährigen Burg, in der das Landschaftsmuseum Bad Düben seinen Sitz hat, zum Verweilen ein. Die Strecke folgt dann dem neu angelegten Auen-Radwanderweg durch die Muldeaue bis zum 1975/76 gefluteten Muldestausee bei Bitterfeld, ein Eldorado für Wassersportfreunde. Im vergangenenGoitzsche Bitterfeld Jahrhundert hat der Braunkohletagebau hier das Landschaftsbild geprägt. Heute sind die stillgelegten Tagebaue geflutet und zu Naherholungsgebieten umgestaltet. Für Neugierige ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, die Industrie- und Landschaftsgeschichte kennen zu lernen. Ein eindrucksvolles Bauwerk in der Gemeinde Pouch ist der runde Bergfried aus dem Mittelalter, der „Rote Turm“. Unmittelbar daneben befindet sich das Schloss. Diese Zeugnisse vergangener Generationen flankieren in bester Eintracht aktuelle Landschaftseingriffe. So ist im Tagebaugebiet Goitzsche eine große Seenlandschaft (Gesamtfläche 25 km2, Uferlänge 60 km) mit zahlreichen Freizeitangeboten und Sehenswürdigkeiten entstanden, darunter auf der Halbinsel Pouch das weltweit größte Landschaftskunstprojekt AGORA-Park, in dem die Spuren des Bergbaus in einem Natur- und Kulturraum lebendig erhalten werden.
 
Ab Pouch verläuft die Tour mitten durch die Auenlandschaft parallel zum Muldental-Radwanderweg nach Dessau. Abenteuerlustige und Gartenfreunde müssen einen Stopp am historischen Irrgarten in Altjeßnitz einlegen. Der liebevoll gepflegte Park ist der größte und älteste noch erhaltene historische Irrgarten Deutschlands, ein eindrucksvolles Denkmal barocker Gartenkunst. In Dessau erreicht man über die südliche Verbindung der Gartenreichtour Fürst Franz Schloss und Park Mosigkau, von wo aus der Weg zur Bachstadt Köthen führt.
 
Rathaus KöthenIm Landkreis Köthen ist die Landschaft mit ihrem fruchtbaren Schwarzerdeboden durch großflächige Ackerschläge geprägt. In der Ortschaft Reppichau wird an den „Sachsenspiegel“ erinnert. Der Verfasser des ersten sächsischen Rechtsbuchs Eike von Repgow lebte zwischen 1215 und 1233 im Ort. In der anhaltischen Residenzstadt Köthen wurde einst die Fruchtbringende Gesellschaft gegründet, die erste Sprachgesellschaft Deutschlands. An das Wirken des Begründers der neuzeitlichen Homöopathie Samuel Hahnemann, der von 1821 bis 1835 in Köthen lebte, erinnert heute ein Museum. In seiner Zeit als Hofkapellmeister komponierte Johann Sebastian Bach in Köthen seine weltberühmten Brandenburgischen Konzerte. Im Schloss ist mehr darüber zu erfahren.
 
Von Köthen aus trifft die Tour bei Großpaschleben auf den Europaradweg R1, dem sie bis nach Bernburg folgt. Sechs Kilometer vor der Saalestadt liegt Baalberge, ein Ort mit kulturgeschichtlicher Bedeutung. Im Grabhügel Schneiderberg, einem Kulturdenkmal, wurden unverzierte Tonwaren gefunden. Für diese Formenkreise der Trichterbecherkultur wurde der Name „Baalberger Kultur“ eingeführt.
 Bernburg
Die Saalestadt Bernburg liegt an der Südschleife der Straße der Romanik und besticht schon aus der Ferne mit seiner imposanten Silhouette. Sehenswert ist vor allem die historische Altstadt mit Schlossanlage, vielen Kirchen und historischen Gebäuden. Von Bernburg aus folgt die Route dem Saale-Radwanderweg bis zur Mündung der Saale in die Elbe bei Barby. In Nienburg an der Mündung der Bode ist die Schlosskirche von 1282 als eine der ältesten Hallenkirchen Ostdeutschlands zu besichtigen. Sie gehört zu den Sehenswürdigkeiten auf der Straße der Romanik.
 

Die Strecke zwischen Nienburg und Barby verläuft am unteren Flusstal der Saale. Man durchfährt die weite Ebene der Börde und der fruchtbaren Elbniederungen. In Calbe erfreuen unter anderem die St. Stephanikirche, die Laurentiuskirche und die Renaissance- und Barockbauten am Markt das Auge. Ab Calbe fließt die Saale der Elbe in großen Schleifen entgegen. Zwischen 1687 und 1717 errichtete Herzog Heinrich von Sachsen-Weißenfels hier sein Schloss. Neben der Klosterkirche St. Johannis gibt es die Stadtkirche St. Marien und die mittelalterliche Stadtmauer zu besichtigen.
 
Schlossfreiheit ZerbstBei Barby wird die Elbe überquert. Der Weg führt über Walternienburg, wo eine alte Wasserburg zu besichtigen ist, zur Kreisstadt Zerbst. Vom Glanz der einstigen anhaltischen Residenz, dem Geburtsort der Zarin Katharina II., ist nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg kaum etwas geblieben. Zu sehen sind die fast vollständig erhaltene mittelalterliche Stadtmauer sowie die Ruinen des Schlosses und der Stadtkirche St. Nicolai. Bewundern kann man die sanierten Kavalierhäuser auf der Schlossfreiheit, in denen sich die Sammlung Katharina II befindet und die barocke St. Trinitaskirche.
 
Von Zerbst aus radelt man durch das ausgedehnte Waldgebiet am Spitzberg in Richtung Roßlau. Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Elbeschifffahrt verbunden. Im Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum wird eindruckvoll von der mehr als 130-jährigen Tradition des Schiffbaus erzählt. Wahrzeichen von Roßlau ist die aus dem 12. Jahrhundert stammende Wasserburg. Über die Elbbrücke hinweg gelangt man wieder nach Dessau, das umgeben ist von der weiten Landschaft der Elbaue.