Rundkurs:
Dessau (Mosigkau) - Dessau (Großkühnau) - Dessau (Georgium) - Dessau (Luisium) - Vockerode - Wörlitz - Oranienbaum - Dessau (Mosigkau)
Gesamtlänge: 65 km
DB-Anbindung: Dessau Hbf, Dessau-Süd, Dessau-Mosigkau, Dessau-Alten
Die Gartenreichtour Fürst Franz verbindet die Parks des Gartenreichs Dessau-Wörlitz und ist eine Erweiterung des bereits bestehenden Fürst-Franz-Weges zu einem Rundkurs. Das Gebiet des Gartenreichs ist durch die Flüsse Elbe und Mulde geprägt. Auenwälder und dauerhaft wasserführende Senken sowie ausgedehnte Wiesen mit solitär stehenden Eichen kennzeichnen diese Landschaft. Schlösser, Parkanlagen, Alleen, Deiche, Skulpturen und Kleinarchitekturen sind so natürlich in diese Umgebung eingebettet, dass sie der gesamten Landschaft den Charakter eines Parks von unendlicher Weite verleihen. Schöpfer des Gartenreichs war Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817), ein Enkel des „Alten Dessauers“. Während seiner Regierungszeit war Dessau ein Zentrum vielfältiger Reformen auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet und beeinflusste für etwa zwei Jahrzehnte die Kultur Mitteleuropas. Als Vertreter des aufgeklärten Reformabsolutismus strebte Fürst Franz eine harmonische Verbindung von Mensch, Natur und Landschaft an. Im Jahr 2000 wurde das Gartenreich Dessau-Wörlitz in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
Ursprung des Gartenreichs ist Mosigkau, westlich vom Dessauer Zentrum gelegen, wo sich die unverheiratete Lieblingstochter des Strategen Leopold I. von Anhalt-Dessau, Anna-Wilhelmine, von 1752 an Schloss- und Parkanlage errichten ließ. Heute ist hier eine Gemäldesammlung mit Werken von z. B. Rubens, Brueghel und van Dyck zu sehen. Um die geschichtliche Entwicklung des Gartenreichs nachvollziehen zu können, empfiehlt sich für die Rundstrecke in Mosigkau zu starten. Vom Dessauer Hauptbahnhof aus führt ein ausgeschilderter Weg, entlang der B 184, zum Schloss Mosigkau. Abkürzungen sind vom Hauptbahnhof über das Georgium zum Elberadweg möglich. Von Mosigkau führt der themenbezogene Radweg weiter nach Großkühnau zum Kühnauer Schloss, wo die Kulturstifung Dessau-Wörlitz ihren Sitz hat, und durch den Kühnauer Park. Die Landschaft wurde vom Sohn des Fürsten Franz, Erbprinz Friedrich begonnen und von dessen Sohn, Herzog Leopold Friedrich, vollendet. Auf der höchsten Erhebung ließen sie im klassizistischen Stil ein Weinberghaus errichten. Ergänzt wird die südländisch inspirierte Anlage mit Weinberg durch eine Bruchsteinmauer mit Torbogen und einem kleinen Amphitheater.

Weiter geht es auf dem Elberadweg zur Elbe nördlich von Dessau. Vom Elberadweg aus empfiehlt sich ein kleiner Abstecher zu Schloss und Park Georgium. Das Georgium wurde von Prinz Johann Georg 1780 gebaut. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des Dessauer Hauptbahnhofes und bietet sich somit auch als Ausgangspunkt der Rundtour an. Das Schloss beherbergt die Schätze der Anhaltischen Gemäldegalerie, eine außerordentliche Sammlung aus dem flämischen und holländischen Barock sowie der deutschen Gotik, Renaissance und Romantik. In der naturbelassenen Parklandschaft stehen mächtige Eichen an Seen und Teichen. Direkt neben dem Georgium befindet sich der Lehrpark für Tier- und Pflanzenkunde.
Vom Georgium aus geht es auf den Elberadweg. Über einen Abstecher erreicht man das Luisium, östlich vom Dessauer Zentrum gelegen. Zu sehen ist hier ein kleines klassizistisches Schlösschen mit anmutigem Park. Fürst Franz ließ das bezaubernde Ensemble für seine Frau Luise 1773 anlegen. Weiter geht es nordöstlich des Luisiums zum 1780 gestalteten Sieglitzer Berg mit Walltor und Dianentempel am Hochufer der Elbe.
Der 17 Kilometer östlich von Dessau gelegene Ort Wörlitz erlangte Weltruf durch seinen berühmten Park, den ersten englischen Landschaftspark auf europäischem Festland. Die gesamte Parkanlage wirkt wie zufällig – ist aber bis ins Detail durchdacht. Hier hat die englische Gartenbaukunst auf dem Kontinent den Barock abgelöst. Die Anlage wurde zwischen 1765 und 1813 im Auftrag des Fürsten Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau als Sommersitz geschaffen. Der ausgedehnte Park im Norden der Stadt beherbergt zahlreiche Monumente, Grotten, Denkmale, Statuen und Reliefs. Mehrere Seen und Kanäle durchziehen den Park. Das Schloss in Wörlitz ist ein klassizistisches Meisterwerk. Fest- und Speisesaal, Kabinette und Schlafzimmer – alles strahlt Eleganz aus. Mittelpunkt des dazugehörigen Parks ist das Gotische Haus, das unter anderem eine wertvolle Sammlung schweizerischer Glasgemälde des 15. bis 17. Jahrhunderts beherbergt. Schloss und Gotisches Haus sind von April bis Oktober außer montags täglich geöffnet.
Ausgesprochen einladend ist auch der Ort Wörlitz mit seinen zahlreichen Gaststätten und Cafes. Die neogotische Stadtkirche St.Petri mit ihrem 66 Meter hohen Turm kann bestiegen werden. Am großen Parkplatz können die Räder abgestellt werden. Das Radfahren im Park ist nicht erlaubt.
Südlich von Wörlitz führt die Gartenreichtour weiter nach Oranienbaum. Die Stadt wurde Ende des 17. Jahrhunderts angelegt. Ihr regelmäßiger Grundriss wird von den geraden Achsen des Barock bestimmt. Bauherrin war Fürstin Henriette Catharina, gebürtig aus dem Hause Nassau-Oranien. Ihrer Herkunft ist es zu verdanken, dass das Schloss im niederländischen Barock errichtet wurde. Dazu gehört ein pittoresker Park mit einem chinesischen Teehaus. Die dreiflüglige Schlossanlage entstand als Sommersitz durch den niederländischen Baumeister Comelis Ryckwaert, der auch die Stadt im Stile des Barocks neu ordnete.

Von Oranienbaum führt der Rundweg auf dem Europaradweg R1 weiter, vorbei an der Biberfreianlage und dem Informationszentrum Auenhaus des Biosphärenreservates Flusslandschaft Mittlere Elbe. An der L 131 in Dessau-Mildensee kommt man am Turm der 8 Winde (Napoleonsturm) (8) vorbei. Der klassizistische Turm wurde zwischen 1805 und 1812 von Fürst Franz erbaut und ist ebenfalls ein Teil des Gartenreichs Dessau-Wörlitz. Von dort geht es südlich von Dessau zum Ausgangspunkt nach Mosigkau zurück.
Die Gartenreichtour verläuft überwiegend auf kfz-freien Wegen, straßenbegleitenden Radwegen und verkehrsarmen Strecken. Sie ist deshalb insbesondere für Familien gut geeignet. Durch die Hochwasserschadensbeseitigung wurde die Infrastruktur jüngst in einen sehr guten Zustand versetzt. Einzig zwischen Dessau-Mosigkau und Dessau-Kleinkühnau ist der Lückenschluss zu einem Rundkurs noch in Planung.
In Dessau-Törten und an der Jagdbrücke in Dessau-Nord besteht jeweils eine Anbindung an den Muldental-Radwanderweg, in Wörlitz und Dessau-Großkühnau an den Elberadweg. Die teilweise parallele Führung mit dem Europaradweg R1 bietet Schnittstellen zum selbigen in Dessau-Kleinkühnau, am Dessauer Leopoldshafen und in Oranienbaum. Zusätzlich kann an der Kapenmühle und der Biberfreianlage auf die regionale Themenroute Tiere in der Elbaue gewechselt werden.