Streckenroute:
Bitterfeld - Friedersdorf - Mühlbeck - Pouch - Muldestausee - Burgkemnitz - Zschornewitz – Baggerstadt Ferropolis
Gesamtlänge: 33 km
DB-Anbindung: Bitterfeld, Burgkemnitz, Gräfenhainichen
Die Kohle-Dampf-Licht-Tour führt von Bitterfeld entlang des Goitzsche- und des Muldestausees über Zschornewitz zur Stadt aus Eisen, der Baggerstadt Ferropolis. Auf einer Länge von knapp 33 km erinnern Denkmale der regionalen Industriegeschichte und Tagebaufolgelandschaften auf eindrucksvolle Weise an die industrielle Entwicklung dieser Region. In den vergangenen 100 Jahren hat der Braunkohletagebau das Landschaftsbild nachhaltig geprägt. Bis 1989 war hier der Kohleabbau von großer industrieller Bedeutung. Im Zuge umfangreicher Rekultivierungsmaßnahmen werden die Tagebaurestlöcher nun geflutet und für eine Nutzung als Naherholungsgebiete umgestaltet.
Ausgehend vom Bahnhof in Bitterfeld führt der themenbezogene Radwanderweg durch die Innenstadt zum Kreismuseum Bitterfeld. Das 1892 gegründete Haus gehört mit zu den ältesten Museen in Sachsen-Anhalt. Es zeigt neben wechselnden Ausstellungen eine kleine, aber einzigartige Bernsteinsammlung. Von 1975 bis 1993 wurden im Bitterfelder Revier insgesamt 400 t gefördert. Mit der Flutung der Tagebaue Golpa und Goitzsche wurde auch die Bernsteinförderung eingestellt.
In dem ehemaligen Tagebaugebiet Goitzsche entstand direkt bei Bitterfeld eine 25 km2 große Seenlandschaft mit vielfältigen Freizeitangeboten und Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören die Bitterfelder Wasserfront mit dem entstehenden Yachthafen und einer Uferpromenade, das Wasserzentrum und die Seebrücke mit dem Pegelturm und dem Flutungsbauwerk. Die gesamte Goitzsche kann auf einer Länge von 60 km mit dem Fahrrad umrundet werden.
Das 1992 geschlossene historische Wasserwerk beherbergt eine Ausstellung über die spannende, sinnlich erlebbare „Wasserwelt“. Der in der Nachbarschaft schwimmende, 26 Meter hohe begehbare Pegelturm bietet eine herrliche Aussicht über den Goitzschesee. Die moderne Stahlkonstruktion mit Wendeltreppen, die nachts in wechselnden Farben leuchtet wird, ist über eine ebenfalls schwimmende 200 Meter lange Seebrücke erreichbar. Die Kohle-Dampf-Licht-Tour führt an den Orten Mühlbeck und Friedersdorf vorbei, dem ersten Buchdorf Deutschlands. Hier finden Buchliebhaber in 15 täglich geöffneten Antiquariaten mehr als 500.000 Bücher.
Das weltweit größte Landschaftskunstprojekt, in dem die Spuren der bergbaulichen Vergangenheit in einem Natur- und Kulturraum lebendig erhalten bleiben, befindet sich auf der Halbinsel Pouch mit dem AGORA-Park als Mittelpunkt. Diese Freilichtbühne für 3.000 Zuschauer sowie sechs weitere Landschaftskunstwerke, darunter „Kegel und Hügel“, „ Labyrinthe“ und „Schwimmende Steine“, laden zum Verweilen ein.
Die Route führt in Pouch am „Roten Turm“ und am Schloss vorbei zum Lehrpfad Bergbaufolgelandschaft am Muldestausee. Der ca. 16 km lange Naturlehrpfad beginnt am Parkplatz Pouch, dem Tor zur Dübener Heide an der B 100/183. Er führt teils über Treppensysteme in landschaftsangepasster Holzbauweise, teils direkt am Muldestauseeufer entlang der ehemaligen rekultivierten Tagebaukante zum Auslaufbauwerk Friedersdorf. Ein geologischer Pfad, diverse Tagebaugeräte, die Erlebnissprunggrube und ein Naturgarten sind die Attraktionen des Pfades. Lehrtafeln, Schutzhütten und Aussichtsplattformen flankieren den Weg des Radwanderers. Er erreicht nach 5 km den Schiffsanleger der „Muldeperle“ und das Informationszentrum Haus am See.

Der Muldestausee wird am Rastplatz in Richtung Zschornewitz verlassen. Die Route führt vorbei am „Blauen“ und „Roten See“ über Burgkemnitz mit seiner Barockkirche, dem Schloss und seiner Parkanlage. Der Bau des modernsten Großkraftwerks Anfang des 20. Jahrhunderts direkt neben dem idyllischen Heidedorf Zschornewitz und die Stilllegung des Werks 1992 brachten einschneidende Veränderungen für die Menschen der Region. Das Kraftwerk, das während seiner 72-jährigen Betriebsdauer den Lebensrhythmus der Anwohner geprägt hat, blieb als Industriedenkmal in Teilen erhalten. Die angrenzende Werkskolonie Zschornewitz,einst als Gartenstadt angelegt, wurde in den späten 1990er-Jahren denkmalgerecht saniert.
Auf der Strecke zur Baggerstadt Ferropolis, der Endstation des Radwanderweges, kann am Eingangsbereich des ehemaligen Tagebaubetriebes ein Schienenfahrzeugmuseum besichtigt werden. Es zeigt historische Eisenbahnen und Eisenbahntechnik der Bergbauindustrie. Ferropolis, die Stadt aus Eisen, begrüßt den Radwanderer mit seiner futuristischen Silhouette schon aus der Ferne. Sie besteht aus mehreren Tagebaugroßgeräten, die auf einer Halbinsel an der stillgelegten Grube so positioniert wurden, dass der Eindruck einer Stadt entsteht. Seit 1997 finden hier Großveranstaltungen statt.
Von Ferropolis aus gelangt man über Gräfenhainichen zum Europaradweg R1. Über die Streckenführung des R1 besteht eine Anbindung in Richtung Oranienbaum zum themenbezogenen Radweg Gartenreichtour Fürst Franz, nach Radis zum Heiderundweg der Dübener Heide. Bei Pouch und am Muldestausee kann auf den Muldental-Radwanderweg gewechselt werden. Der größte Teil der Kohle-Dampf-Licht-Tour wird auf kfz-freien Wegen und verkehrsarmen Straßen geführt. Die Qualität des Belages ist als gut bis mittelmäßig einzustufen. Vereinzelte Mängel, wie fehlende Querungsmöglichkeit eines Industriegleises oder ausstehende Radwegemarkierungen, werden in naher Zukunft behoben.