Streckenroute:
Lutherstadt Wittenberg – Bülzig – Zahna – Köpnick – Kropstädt – Weddin – Kerzendorf – Berkau – Straach – Cobbelsdorf – Göritz – Serno – Stackelitz – Grimme – Dobritz – Badewitz – Deetz – Rosian – Isterbies - Loburg
Gesamtlänge: 95 km
DB-Anbindung: Lutherstadt Wittenberg, Zahna, Deetz (nur am Wochenende), Jeber-Bergfrieden, Loburg
Im Fläming werden die aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammenden Feldsteinkirchen durch die gleichnamige Tour miteinander verbunden. Damals ließen sich die aus dem Westen kommenden Flamen in der Region nieder und gaben ihr damit zugleich ihren Namen.
Die Flamen brachten das Christentum mit. Somit sind die flämischen Feldsteinkirchen die ältesten Zeugen der Christianisierung in unseren Breiten. Das Besondere an diesen Kirchen ist, dass sie aus Steinen von Feld und Acker erbaut wurden, die während der Eiszeit dorthin transportiert worden sind. Erbaut wurden die Kirchen zum größten Teil im Stile der Romanik. In späteren Epochen wurden sie teilweise umgestaltet. Die Feldsteinkirchen-Tour spricht vor allem kulturell interessierte Radler an, die auf ruhiger Strecke abseits des Autoverkehrs und des Massentourismus Ruhe und Erholung suchen und dabei den Reiz der einfachen Schönheit unseres Landes entdecken möchten.
Aufgrund der sehr guten Bahnanbindung und der Möglichkeit eines Besuchs der Lutherstadt Wittenberg empfiehlt es sich, die Route in Wittenberg zu beginnen. Hier bestehen auch Schnittstellen zum Elberadweg sowie zu den Radfernwegen R1 und R4.
In Wittenberg wurde Weltgeschichte geschrieben. Der Reformator Martin Luther schlug hier 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche, Lucas Cranach d. Ä. war Hofmaler in Wittenberg. Die Kirche, in der Luther predigte, war allerdings die Stadtkirche zu Wittenberg. Ursprünglich ebenfalls aus Feldsteinen erbaut, wurde sie erstmals 1183 in Ablassbriefen erwähnt. Im Laufe der Zeit wurde sie mehrmals verändert, wobei vor allem beim Anbau eines dreischiffigen Kirchenhauses keine Feldsteine mehr verwendet wurden. Heute besteht nur noch die Ostseite des Gotteshauses aus Feldsteinen.



Einige Kilometer nordöstlich der Lutherstadt erwartet den Radfahrer in Bülzig die erste vollständig erhaltene Feldsteinkirche. Die Dorfkirche zu Bülzig verkörpert den typischen Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert. Sehenswert ist im Ort auch der Landschaftspark mit einer Freiluftausstellung aus übergroßen Plastiken. In Zahna, Jahmo, Weddin, Kerzendorf und in Berkau zeugen weitere Feldsteinkirchen von der Christianisierung durch die Flamen. In Berkau trifft die Route auf den aus Wittenberg kommenden Radfernweg R1. In Senst (8) steht eine weitere Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert, die mehrfach umgebaut wurde. 1744 erhielt sie einige Fenster im Barockstil.



Die Kirche St. Jakobus zu Stackelitz ist eine romanische Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert. Die Feldsteine sind hier besonders akkurat geschichtet worden. Mit der Einführung des calvinistischen Glaubensbekenntnisses gegen Ende des 16. Jahrhunderts veränderte sich auch das Erscheinungsbild der Kirche. Entsprechend der Forderung nach einem schlichten Gottesdienst, der die Konzentration auf das Wort Gottes erhöhen sollte, sollten auch die Kirchenräume schmucklos sein. Die Kirche musste sich von ihrem Altar, den Bildern und wahrscheinlich auch dem Taufstein trennen. Der jetzige Altar ist die einzige erhaltene Einrichtung aus dem Jahr 1810.
Die Pfarrkirche St. Johannis zu Grimme ist eine romanische Feldsteinkirche und zugleich eine typische Dorfkirche. Außer zum Gottesdienst diente sie den Dorfbewohnern als Schutz. In unruhigen Zeiten konnten sie in diesen einzigen Steinbau im Ort mit seinen bis zu 2 Meter dicken Mauern flüchten. Eine Wehrkirche war St. Johannes jedoch nicht. Dafür war sie nicht geeignet. Die Mauern waren zu dick, die Fensteröffnungen zu schmal und ein Trinkwasserreservoir fehlte. Im Vorraum der Kirche befinden sich noch zwei Rittersteine. Da das Waffentragen in Kirchen verboten ist, die Ritter sich jedoch nicht von ihren Schwertern trennen konnten, machten sie diese symbolisch an dem Stein stumpf.
Die Route führt in Richtung Westen. Wie an einer Perlenkette aufgereiht erwarten den Radwanderer auf seinem Weg weitere Kleinode des Feldsteinbaus: Die romanische Kirche St. Blasii zu Dobritz, die spätromanische Dorfkirche zu Straguth, die aus dem 12. Jahrhundert stammende Pfarrkirche zu Deetz, die spätromanische Dorfkirche zu Rosian und die als Rechteckbau errichtete Dorfkirche zu Isterbies. Die Feldsteinkirchen-Tour endet in Loburg.



Mit der Kirche St. Laurentius und der Kirchenruine „Unser lieben Frauen“ wartet Loburg gleich mit zwei Feldsteinkirchen auf. Das Gotteshaus „Unser lieben Frauen“ wurde im 12. Jahrhundert als dreischiffige Basilika für das Dorf Ziemitz erbaut. Die später nicht mehr benötigte Kirche zerfiel. 1601 wurde sie restauriert. Während der napoleonischen Kriege diente sie als Pulvermagazin und Gefangenenunterkunft, danach verfiel sie erneut. 1900 wurde die Ruine nochmals restauriert und blieb so erhalten.
In Loburg empfiehlt sich aber auch ein Besuch des Storchenhofes, der sich dem Schutz, der Pflege und der Information über Störche verschrieben hat. Darüber hinaus gibt es eine Burganlage aus dem 10. Jahrhundert. In Loburg besteht eine Anbindung an die Schlösser- und Burgen-Tour Elbe-Vorfläming, über die man weiter an den Elberadweg und den Saale-Radwanderweg gelangt.
Die Route verläuft auf fast drei Viertel der Streckenlänge auf verkehrsarmen und kfz-freien Straßen und Wegen, wobei Wirtschaftswege und Gemeindeverbindungsstraßen den größten Anteil haben. Die Belagsqualität bedarf auf Teilstücken noch der Optimierung, weswegen empfohlen wird, diese Tour mit robusten Rädern zu befahren.