Fuhneradweg

Streckenroute:

Wolfen - Salzfurtkapelle - Radegast – Görzig - Gröbzig - Gerlebogk - Preußlitz – Baalberge - Bernburg
 
Gesamtlänge:                64 km
 
DB-Anbindung:            Wolfen, Weißandt-Gölzau, Baalberge, Bernburg-Friedenshall, Bernburg
 
 
Landgestüt RadegastDer Fuhneradweg führt von Wolfen nach Bernburg, immer am kleinen Fluss Fuhne entlang. Ausgangs- und Einstiegspunkte für die Streckenroute bilden die Bahnhöfe in Wolfen und Bernburg. Anbindungen an den Muldental-Radwanderweg (Wolfen), den Europaradweg R 1 (Preußlitz / Bernburg) und den Saale-Radwanderweg (Bernburg) sind gegeben. Ein Anschluss zur Kohle-Dampf-Licht-Tour in Bitterfeld ist über eine Verbindung von Wolfen nach Bitterfeld vorhanden.
 
Die Fuhne ist ein eher kleines und unauffälliges Flüsschen, das sich in einem ehemaligen Lauf der Mulde erstreckt. Der Fluss entstand in der älteren Saale-Kaltzeit als eiszeitliche Abflussrinne. Die ursprüngliche Bezeichnung „Vona“ bedeutet so viel wie sumpfig oder faulig. Noch heute gibt es in der Umgebung viele Sumpfgebiete, wie beispielsweise bei Löberitz. Verschiedene Naturschutzgebiete und das Landschaftsschutzgebiet Fuhneaue liegen entlang ihres Verlaufs. Eine Besonderheit stellt die so genannte Bifurkation dar – die Gabelung des Flusses in zwei Arme. So hat die Fuhne zwei Mündungen. Die Gabelung eines Gewässers, wobei ein Arm in ein anderes Flussgebiet fließt, ist äußerst selten. Weltweit gibt es dieses Phänomen nur sechsmal. 
 
Gerlebogker TeicheAusgehend vom Bahnhof Wolfen empfiehlt sich ein Abstecher zu einer der Mündungen der Fuhne. Nordöstlich von Jeßnitz fließt die Fuhne in das Spittelwasser, einen kleinen Nebenarm der Mulde, der bei Raguhn in die Mulde mündet. Zurück in Wolfen klärt das Industrie- und Filmmuseum Wolfen im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen anschaulich über die einstige Blütezeit der Industrie auf. In Wolfen wurde 1936 der „Agfa-color-Neu“ entwickelt, der erste universell einsetzbare Mehrschichten-Farbfilm der Welt. Wolfen ist deshalb auch als „Wiege des Farbfilms“ bekannt. Zu DDR-Zeiten wurde hier jahrzehntelang der berühmte ORWO – „ORiginial WOlfen“ – Film produziert. 
 
Von Wolfen aus führt der Radwanderweg durch das Landschaftsschutzgebiet Fuhneaue über Salzfurtkapelle nach Zehbitz. Bei Zehbitz sind das Quellgebiet und die Bifurkation der Fuhne zu sehen. Der Sumpfgürtel diente in vorgeschichtlicher Zeit als natürliche Grenze zwischen Germanen und Wenden, später als Grenze zwischen den anhaltischen Ländereien im Norden und den Kursachsen (ab 1815 der preußischen Provinz Sachsen) im Süden. Das Naturschutzgebiet Vogtei umfasst Teile des Niedermoor-Quellgebietes der Fuhne. Früher wurde hier der Torf der Niedermoore abgebaut. Noch heute sind Reste des für die Fuhneniederung typischen, ursprünglichen Erlen-Eschenwaldes erhalten.
 
Wegebaudenkmal „Der Theure Christian“Radegast empfängt seine Gäste mit dem Wegebaudenkmal „Der Theure Christian“. Zu Ehren von Christian I. von Sachsen-Merseburg, der das Sumpfgebiet der Fuhne Ende des 17. Jahrhunderts begehbar machte und den Fuhnedamm erbaute, wurde 1688 der 9 Meter hohe Obelisk aufgestellt. Cösitzer TeicheDer Weg führt weiter nach Cösitz, wo insbesondere die Ornithologen auf ihre Kosten kommen. Aufgrund der Vogelvielfalt wurde das 38 ha große Naturschutzgebiet Cösitzer Teiche ausgewiesen. Der Cösitzer Teich entstand 1936 durch den Einbruch eines ehemaligen Bergwerkes. Das Naturschutzgebiet ist Brutstätte von insgesamt 70 Vogelarten, darunter eine bedeutende Lachmöwenpopulation, die mit zeitweise 3.000 Brutpaaren zu den größten im deutschen Binnenland zählt. Daneben ist der Teich auch sehr wichtig als Rastplatz für durchziehende Vogelarten. Man stößt in Cösitz aber auch auf Reste einer Wallburg, die vom slawischen Ursprung des Ortes zeugen. Im 18. Jahrhundert wurde ein Rittergut in die umfangreiche Wallanlage gebaut.
 
Tongruben SchortewitzSüdlich von Schortewitz befinden sich die ehemaligen Tongruben einer Ziegelei. Die Gruben sind heute mit Wasser gefüllt und ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich die Natur ein einst intensiv durch den Menschen genutztes Gebiet zurück erobert. Direkt an der Strecke liegt auch die Grabstätte Heidenberg – ein neolithisches Hügelgrab aus Granit. Es ist vermutlich die Ruhestätte eines neolithischen Häuptlingsgeschlechtes, das südlichste seiner Art in Europa. Gröbzig, auch „die kleine Stadt an der Fuhne“ genannt, liegt reizvoll umgeben von idyllischen Fuhneauen. Mit dem Fahrrad kommend sieht man schon aus der Ferne das Wahrzeichen der Stadt, den Schlossturm. Synagoge GröbzigIm Volksmund wird der 36 Meter hohe Turm mit den bis zu 3 Meter dicken Mauern auch „Mauseturm“ genannt. Die Bezeichnung bezieht sich auf seine Funktion als Gefängnis, in dem Bürger festgehalten wurden, die gestohlen, also „gemaust“ hatten. Außergewöhnlich sind in Gröbzig der dreieckige Marktplatz und die aus dem 18. Jahrhundert stammende Synagoge. Die Synagoge überstand als eine der wenigen in Deutschland die Pogromnacht. Heute dient der einzigartige Komplex, bestehend aus Synagoge, Schulgebäude, Kantorhaus und jüdischem Friedhof, als Museum über die Geschichte des mitteldeutschen Landjudentums.
 
Weg an der FuhneWeiter geht es in das Naturschutzgebiet (NSG) Gerlebogker Teiche und die Wiendorfer Teiche. Sie vermitteln auf den ersten Blick den Eindruck einer Naturlandschaft. Jedoch handelt es sich auch hier um ein zwischen 1797 und 1929 intensiv genutztes Braunkohleabbaugebiet von insgesamt 5,6 km2 Größe. Der Große Wiendorfer Teich, dessen verschilfter Teil zum NSG gehört, entstand als Senkungsmulde über einem ehemaligen Braunkohlentiefbau. Der außerordentliche Wert des Gebietes ergibt sich durch seine Bedeutung als Brut-, Rast-, Überwinterungs- und Nahrungsgebiet für Vogelarten wie den Purpur- und Silberreiher, den Regenbrachvogel, den Fischadler und Kormorane. Aus dem ehemaligen Braunkohleabbaugebiet ist heute ein beliebtes Naherholungsziel geworden. 
 
Kopfweiden an der FuhneAb Preußlitz verläuft der Fuhneradweg zusammen mit dem Europaradweg R1. Sechs Kilometer vor Bernburg liegt Baalberge, ein Ort von kulturgeschichtlicher Bedeutung. Im Grabhügel Schneiderberg wurden unverzierte Tonwaren gefunden, die über eine frühe Besiedelung Auskunft geben. Der Name „Baalberger Kultur“ wurde für die dort gefundenen Formenkreise der Trichterbecherkultur eingeführt. Die Route endet in der ehemaligen anhaltischen Residenzstadt Bernburg. Die Saalestadt liegt an der Südschleife der Straße der Romanik und bietet viele Sehenswürdigkeiten, wie das Renaissanceschloss, die historische Altstadt, viele Kirchen und historische Gebäude, z. B. die spätromanische Dorfkirche St. Stephani im ältesten Stadtteil Waldau. Im Ortsteil Dröbel mündet die Fuhne in die Saale (9).
 
Der Großteil der Strecke wird im Mischverkehr von Radfahrern und Kfz geführt. Selbstständige oder straßenbegleitende Radwege sind weniger vorhanden. Die Belagqualität ist überwiegend als gut bis mittelmäßig zu bewerten. Der Großteil des Weges ist problemlos zu befahren. Bis zum weiteren Ausbau selbständiger Radwege ist der Fuhneradweg nicht für Familien zu empfehlen.